Nach der Begrüßung der Teilnehmer leitete Dr. Henriette John vom IÖR einen kommentierten Rundgang zum Thema biologische Vielfalt, der sich auf die Pflanzenwelt der Krautschicht von Streuobstwiesen konzentrierte.
Die Krautschicht ist ein untrennbarer Bestandteil des Ökosystems von Streuobstwiesen. Darin finden sich eine Vielzahl von Pflanzenarten: essbare, heilkräftige, duftende, farbenfrohe, schöne, trockenheitsliebende, lichtliebende sowie schattenliebende und viele andere. Die Artenzusammensetzung ändert sich je nach Standortbedingungen, oft bereits im Abstand von wenigen Metern. Auch deshalb gehören viele Streuobstwiesen zu den Biodiversitätsinseln in unserer Agrarlandschaft.
Es wurden pflanzensoziologische Vegetationsaufnahmen gemacht, bei denen die Teilnehmer die Bestimmung von Wiesenpflanzen ausprobieren und erfahren konnten, welche Bedeutung diese für die gesamte Gemeinschaft in den Wiesenhainen haben und welche Arten auf was hinweisen, z. B. auf das Vorhandensein von Nährstoffen oder Wasser.
Unter den gefundenen Pflanzen stach der Kleine Klappertopf (Rhinanthus minor) als Charakterart magerer, nährstoffarmer, extensiv bewirtschafteter Wiesen hervor. Pflanzen der Gattung Rhinanthus zählen zu den Halbparasiten, die in Symbiose mit einer anderen Pflanze leben, von der sie Wasser und Mineralstoffe beziehen. Der Kleine Klappertopf gehört zudem zu den Pflanzen, die saisonale Ökotypen bilden, d. h., dass die im Frühjahr wachsenden Pflanzen anders aussehen als die im Herbst.
Interessant ist, dass sich der tschechische Name der Pflanze, sprich „Kokrhel“, auf die historische Bezeichnung für eine Haube bezieht, an die die Blüte erinnert. Im Deutschen hingegen bezieht sich „Klappertopf“ auf das Klappern der reifen Samen im Blütenstand, wenn man daran rüttelt.
Die Veranstaltung „Lebendige Streuobstwiese“ fand im Rahmen des Projekts „Obstlandschaft für Klimawandel und Biodiversität“ (tschechisch: Ovocná krajina pro klimatickou změnu a biodiverzitu) statt, das sich an Interessierte aus der Tschechischen Republik und Sachsen richtete, und wurde daher zweisprachig mit einem Dolmetscher durchgeführt.
Wir bedanken uns hiermit beim Freilichtmuseum in Zubrnice für die Zusammenarbeit und die Möglichkeit, diese Veranstaltung durchzuführen.
Diese Veranstaltung findet im Rahmen des Projektes Obstlandschaften für Klimaschutz und Biodiversität statt.
Dieses Projekt wird aus dem Programm Interreg Sachsen – Tschechien 2021-2027 finanziert.
Platí: 13.05.2026-31.12.2070